Fragen und Antworten

Häufig gestellte Fragen zu unserem Tierbestand:


"Warum ist der Erhalt alter Haustierrassen wichtig für die naturnahe Landwirtschaft?"

Im Laufe der Jahrhunderte haben die Menschen Tiere gezüchtet, die an die regionalen klimatischen Bedingungen angepasst sind. So zum Beispiel die Hinterwälder, eine Rinderrasse, die einst in verschieden Regionen des Alpenraumes vorkam. Die steilen Hanglagen mit meist karger Futtergrundlage führten dazu, dass die Tiere eine hohe Trittsicherheit entwickelten. Die heutige industrielle Landwirtschaft mit ihrer Massentierhaltung basiert nur auf wenigen Rassen, die auf hohe Fleisch-, Eier- oder Milchleistung gezüchtet sind. Sie können oft nicht mehr im Freien gehalten werden und brauchen aufwendiges Futter, dass zum Teil aus Entwicklungsländern importiert wird. Zudem funktioniert die Fließbandproduktion häufig nur mit dem massiven Einsatz von Chemie und Medikamenten mit erheblichen Auswirkungen auch auf die menschliche Gesundheit. Alte Rassen sind hingegen genügsam und robust. Die naturnahe Landwirtschaft muss standortgerecht wirtschaften, um die Vielfalt alter Kulturlandschaften erhalten zu können (Heide, Moor oder Trockenrasen etc) und braucht dafür eine große Auswahl an Rassen.


"Welche Tiere werden in Warder gehalten und zu welchem Zweck?"

In der Arche Warder leben zur Zeit rund 1200 Tiere aus 82 verschiedenen Rassen. Es sind Nutztiere, wie Hühner, Schweine, Rinder, Esel oder Pferde, die früher auf vielfältige Weise in die landwirtschaftlichen Betriebe eingebunden waren. Rinder z.B. wurden nicht nur gehalten, um Milch und Fleisch zu erzeugen, sie haben auch Wagen und Pflug gezogen.

Die alten Haus- und Nutztierrassen sind ganz besonders an bestimmte Lebensbedingungen angepasst. Sie kommen meist mit kargen Böden zurecht. Sie sind genügsam und robust. Oft haben sie ein sehr ungewöhnliches Aussehen, wie etwa die Wollschweine oder die Poitou-Riesenesel mit den Rasta-Locken. Viele dieser Tiere stehen auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen. Eine wichtige Aufgabe in der Arche Warder ist daher die praktische Erhaltungszucht, damit diese wertvollen Rassen von der Roten Liste verschwinden. Gleichzeitig bilden die gefährdeten Nutztierrassen ein wichtiges Genreservoir, wenn es in Zukunft darum geht, neue Zuchtziele zu definieren um Alternativen für die Landwirtschaft aufzuzeigen. Mit steigender Tendenz werden außerdem z.B. bestimmte Schafs-, Pferde- oder Rinderrassen immer mehr zur Landschaftspflege in Moor-, Heidegebieten oder anderen aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommenen Gebieten eingesetzt.


"Werden Tiere aus der Arche Warder auch geschlachtet?"

Ziel ist die Erhaltung der ursprünglichen Vielfalt und damit die Bewahrung wichtiger Genreserven.
Aber um die alten Rassen auf Dauer erhalten zu können, müssen sie einen wirtschaftlichen Nutzen erbringen. Bei aller Niedlichkeit vergessen wir auch in der Arche Warder nicht den Ursprung unserer Schützlinge: es sind Nutztiere und genau wie ihre Hochleistungsverwandten gezüchtet, um nützlich zu sein. In der Arche Warder werden daher Schweine, Schafe und Rinder, die nicht für die Zucht in Frage kommen, verkauft oder geschlachtet.

Wir sind der Überzeugung: je gefragter die alten Rassen beim Verbraucher sind, umso mehr werden sie nachgezüchtet – und umso geringer ist ihr Risiko auszusterben.


"Warum setzt sich die Arche so sehr für den Erhalt eigentlich nicht mehr gebrauchter Nutztierrassen ein?"

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat eine starke Veränderung im Bereich der Nutztierhaltung eingesetzt. Der Großteil der Tierbestände setzt sich aus einigen wenigen Hochleistungsrassen zusammen. So werden 90% der tierischen Nahrungsmittel von nur 14 Hochleistungsrassen weltweit produziert. Eine Vielzahl von alten Nutztierrassen – über Generationen und Jahrhunderte gezüchtet – ist inzwischen ausgestorben oder ist nur noch in kleinen Restbeständen vorhanden.

Allein in Deutschland stehen rund 90 Rassen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Nutztiere, weltweit ist jede dritte vom Aussterben bedroht, Monat für Monat verschwindet eine Rasse. Wertvolles Erbgut geht unwiederbringlich verloren.

In der Arche Warder findet sich die größte Sammlung dieser fast vergessenen Rassen. Aber: die Arche Warder ist weder Zoo noch Gnadenhof. Unterstützt von Greenpeace will die Arche Warder diesen seltenen und gefährdeten Rassen eine dauerhafte Zukunft bieten: d.h. züchten, bewahren und verbreiten, damit die Tiere von der Roten Liste verschwinden.

Hierbei konzentriert sich die Arche Warder auf 5 Hauptziele:
- Schutz durch Zucht ausgewählter bedrohter Haus- und Nutztierrassen
- Schutz durch Etablierung von Satellitenstationen
- Schutz durch anspruchsvolle Bildungsangebote
- Vernetzung mit nationalen und internationalen Institutionen
- Schutz durch Forschung

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